Das iPhone 3GS im ausführlichen Praxistest (Teil 2)

Veröffentlicht in Test, iPhone 3GS am 17.06.2009 von iphoneworld

Teil 1 – Das iPhone 3GS im ausführlichen Praxistest – hier klicken.

Komplexe Websites wie nytimes.com werden schneller geladen

Komplexe Websites wie nytimes.com werden schneller geladen

Noch ein paar Bemerkungen zum Thema Geschwindigkeit: Auch der Safari-Browser im iPhone ist spürbar schneller geworden. Die Seiten bauen sich flotter auf. Und selbst fette Webseiten wie nytimes.com oder spiegel.de erscheinen ohne Zeitverzögerung auf dem Bildschirm. Sites, die massiven Gebrauch von modernen Web-Programmiersprachen wie CSS und JavaScript machen, bereiten dem iPhone auch keine Probleme. Der mobile Safari-Browser besteht den Webseiten-Test Acid 3 mit 96 von 100 Punkten.

Aus dem Browser und anderen Anwendungen können nun Inhalte in eine Zwischenablage kopiert werden. Tippt ein Wort an, wird dieses für eine Zwischenablage markiert. Mit Hilfe von zwei Markern können Anfang und Ende der Auswahl präzise bestimmt und dann kopiert beziehungsweise ausgeschnitten werden. Das Betriebssystem stellt die „Cut, Copy & Paste“-Funktion systemweit für Texte zur Verfügung. Schade ist, dass Apple keine echte Integration in das Wählinterface der Telefon-Anwendung gelungen ist. Eine per SMS geschickte Telefonnummer ohne Vorwahl muss man sich entweder merken, oder man kopiert die Ziffern in die Notiz-Anwendung und fügt dort die Vorwahl hinzu. Erst dann lässt diese sich direkt aus- und anwählen.

Das iPhone 3GS nimmt Gegenstände in der Nähe mit einem Marko-Modus auf (links das alte iPhone, rechts das neue).

Das iPhone 3GS nimmt Gegenstände in der Nähe mit einem Marko-Modus auf
(links das alte iPhone, rechts das neue).

Nun zur neuen Autofokus-Kamera im iPhone: Sie verfügt nun über eine Auflösung von drei Megapixel (bisher nur zwei). Ohne einen Eingriff des Anwenders fokussiert die Kamera auf den Bereich, der sich in der Bildmitte befindet. Tippt man auf einen anderen Bereich des Bildes, wird dieser scharf gestellt und auch optimal belichtet. Bei ausreichend Licht schießt das iPhone nun richtig gute Bilder, von denen man auch ordentliche Abzüge ziehen lassen kann. Das Farbrauschen hält sich in angenehm geringen Grenzen. Im Dunkeln bei Kerzenschein sieht das 3GS inzwischen mehr als die Vorgängermodelle. Der Kamera fehlt weiterhin ein Blitzlicht, wie es manche Handys von der Konkurrenz bieten.

Das iPhone 3GS kann Videos aufnehmen und trimmen

Das iPhone 3GS kann Videos aufnehmen und trimmen

Erstmals kann man mit einer iPhone-Kamera auch Videos erstellen. Damit könnte das iPhone 3GS auch Taschen-Videokameras wie der Flip den Rang ablaufen. Das Gerät erzeugt ansehnliche Bilder im VGA-Modus mit 30 Frames pro Sekunde. Die Kompression erzeugt nur leichte Artefakte an den Kanten. Bevor man die Videodatei per iPhoto oder einer anderen Software vom iPhone auf den Rechner holt, per E-Mail versendet oder vom iPhone aus auf YouTube oder MobileMe hochlädt, kann man das Video noch auf dem iPhone bearbeiten, genauer gesagt vorne und hinten beschneiden. Der Start- und Endpunkt wird dabei intuitiv mit dem Finger festgelegt. Man muss nur beachten, dass die Schnitte auf dem Video endgültig sind und abgeschnittene Sequenzen nicht wieder zurückgeholt werden können.

Noch einige Details: Der eingebaute Lautsprecher klingt insbesondere in den Höhen differenzierter als beim 3G. Und lauter als beim Vorgängermodell ist er auch. Das iPhone 3GS ist anders beschichtet als das 3G. Dadurch zieht es Fingerabdrücke nicht mehr so magisch an.

Einige der Vorteile des iPhone 3GS stehen auch den Besitzern der ersten beiden iPhone-Generationen zur Verfügung, da sie nicht an die Hardware gekoppelt sind, sondern Bestandteil der neuen Systemsoftware 3.0 sind.

Fest mit dem iPhone 3GS sind folgende Features verbunden:

  • Geschwindigkeitszuwachs durch verbesserte Hardware
  • 3-Megapixel-Kamera mit Autofokus, “tap to focus”, Marko-Fokus, Auto-Belichtung, automatischer Weißabgleich
  • Video-Aufnahme (VGA-Auflösung mit bis zu 30 Frames pro Sekunde, Video-Sharing via E-Mail, MMS, MobileMe, YouTube)
  • Spracheingabe (Voice Control)
  • digitaler Kompass
  • 7,2 MBit/s HSDPA
  • Grafikstandard OpenGL ES 2.0
  • Unterstützung von Nike+
  • Längere Batterielaufzeit
  • weniger Fingerabdrücke durch eine oleophobe, also öl- und schmutzabweisende Beschichtung
  • Bluetooth 2.1 + EDR
  • bis zu 32GB
  • Barrierefreiheitsfunktionen: VoiceOver, Zoom, White on Black, Mono-Audio
T-Mobile hat das Internet-Tethering noch nicht freigeschaltet

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Bestandteil von iPhone OS 3.0 (und damit auch für das erste iPhone, iPhone 3G und iPod touch verfügbar) sind:

  • systemweite Suchfunktion Spotlight
  • Tastatur im Querformat nicht nur für den Web-Browser
  • MMS (iPhone 3GS und 3G, auf den iPhone 2G nur Anzeige von MMS im Browser)
  • Sprachmemos
  • Zwischenablage (Cut, Copy & Paste)
  • Optimierter Kalender (Microsoft Exchange ActiveSync und CalDAV-Unterstützung)
  • Filme, Fernsehsendungen und Hörbücher via iPhone im Tunes-Store kaufen
  • Erweiterte Anzeige in der App „Aktien“
  • Neue Version des Browsers Safari (bessere Performance, automatisches Ausfüllen von Benutzernamen und Passwörtern und mehr)
  • Internet Tethering – iPhone als Mobilfunk-Modem via Bluetooth oder USB (derzeit in Deutschland von T-Mobile noch nicht aktiviert)
  • Bluetooth für Kopfhörer, Car-Kits oder anderes Zubehör
  • Automatischer Wi-Fi-Login
  • MobileMe mit „Mein iPhone suchen“ und „Fernlöschen“

Das sagen die Kollegen:

Sven Stein, BILD:

Das neue iPhone bietet keine sensationellen Neuheiten, ist aber deutlich schneller als sein Vorgänger, dazu ergänzt um lange vermisste oder hilfreiche neue Funktionen. Eine gelungene Weiterentwicklung.

Axel Postinett, Handelsblatt:

Das 3GS ist keine Revolution, aber eine durchdachte Weiterentwicklung. Es ist schneller geworden und wichtige Funktionen wurden nachgerüstet. Apple hört auf seine Kunden. Ein cleverer Schachzug ist der Weiterverkauf des alten 3G als Einsteigermodell. Das hält Apple im Markt für Billig-Smartphones den Rücken frei. Denn die Konkurrenz wird in diesem Sommer massiv aufholen können. Es bleibt allerdings noch abzuwarten, ob nicht auch ein spürbarer Kannibalisierungseffekt zwischen 3G und 3GS einsetzen wird. Das 3GS muss noch unter Beweis stellen, dass die gebotenen Neuerungen für die Kunden ausreichen, um den Aufpreis zu rechtfertigen. Gerade in den aktuell wirtschaftlich schwierigen Zeiten.

Thomas Heuzeroth, WELT am SONNTAG / WELT:

Der wirkliche Charme des iPhones ist nicht das neue Gerät, sondern das Konzept, das Apple dafür eingeführt hat. Tausendfach stellen Entwickler Programme dafür zur Verfügung, die das Handy mit immer neuen Funktionen versorgen. Die Musik spielt immer mehr in der Software, nicht in der Hardware. Apple hat das verstanden.

Dusan Zivadinovic, c’t (Heise-Verlag):

Apple führt das schlüssige Konzept auch mit dem neuen iPhone 3GS nahtlos fort, dringende Nachbesserungen sind durchdacht eingebaut. Zusätzliche Attraktion üben die vielfältigen, über den AppStore erhätlichen Programme aus; so dürfte es Mitbewerbern schwer fallen, dem iPhone Marktanteile abzujagen.

Walt Mossberg, Walt Street Journal:

Both the new iPhone and iPhone OS are packed with features that make a great product even better. But, for many users, the software may be enough of a boost to keep them from buying the new model.

David Pogue, New York Times

At this point, the usual list of 10 rational objections to the iPhone have been whittled down to about three: no physical keyboard, no way to swap the battery yourself and no way to avoid using AT&T as your carrier. In short, the substantially improved, still elegant iPhone 3GS makes it dangerously easy for your heart and your head to agree.

Matthias Kremp, Spiegel Online:

Das neue iPhone ist Evolution statt Revolution. Es zeigt einmal mehr, das Software heute wichtiger ist als Hardware. Das Gros der neuen Funktionen erhalten Besitzer der Vorgängermodelle per Software-Update kostenlos. Sich für etwas mehr Speed und einen Kompass das neue Modell zu kaufen, lohnt sich nur für Besitzer von iPhones der ersten Generation. Ein bisschen mehr Speed, ein Kompass, eine bessere Kamera und eine etwas schnellere Datenanbindung, das sind alles Dinge, die dem Hardware-Update gut zu Gesicht stehen. Ein Kaufargument sind sie nicht. Vieles von dem was Apple jetzt nachliefert ist bei anderen Herstellern allerdings längst Standard, so wie die “Tethering”-Funktion beispielsweise. Und vieles fehlt immer noch. Eine Möglichkeit, digitale Visitenkarten, vCards, via Bluetooth zu übertragen zum Beispiel.

Stephen Fry, guardian.co.uk:

I know I can sound like an unquestioning Apple fanboy, but believe me when I say that I don’t want them to have it all their own way. I want to see real competition and biodiversity in the smartphone world. For the moment however, no one can deny that with the iPhone 3GS the gold standard has been set.

4 Responses to “Das iPhone 3GS im ausführlichen Praxistest (Teil 2)”

  1. [...] App-Store für das iPhone « Das iPhone 3G S im ausführlichen Praxistest (Teil 2) [...]

  2. [...] Majo weist noch darauf hin, das es auf dem Blog iPhoneWorld einen ausführlichen Praxistest des iPhone 3G S gibt (Teil 1 und Teil 2). [...]

  3. [...] Unentschlossenen unter euch kann ich den ausführlichen Praxistest vom iPhone 3G S von Christoph Dernbach (Chefredakteur bei dpa-infocom) ans Herz legen. Er hatte bereits eine Woche [...]

  4. [...] Mit „Tethering“ wird bei mir persönlich mittel- und langfristig die Software Launch2Net überflüssig, mit der ich mich bislang über einen UMTS-USB-Stick außerhalb eines WLAN-Hotspots mobil im Internet bewegt habe. Für den zweiten Teil des Tests “iPhone 3GS” hier klicken. [...]

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